Über die Qualität unserer Pflanzen
Immer wieder bekommen wir großes Lob zugesprochen, die Qualität unserer Stauden sei außerordentlich und mit Pflanzen anderer Gärtnereien nicht vergleichbar. Das sagen uns Landschaftsgärtner wie private Naturgartenfreunde und zuletzt war es die Mutter meiner Freundin in Graz, die beim Auspflanzen der mitgebrachten Schätze erstaunt zu mir meinte, sie hätte noch nie eine Pflanze mit so einem starken Wurzelballen aus einem Topf gezogen. (Ihr müsst wissen – IMMER wenn ich die Gärtnerei hier verlasse, nehme ich eine kleine Kiste unserer Pflanzen mit in die Welt. Ich wüsste nicht, was ich wertvolleres von hier oben mitbringen könnte.)
Für mich ist das völlig selbstverständlich. Ja, so ist das. Unsere Pflanzen sind der Hammer, im Vergleich zu dem, was Mensch sonst so üblicherweise erwerben kann. Aber warum ist das eigentlich so ? Was machen wir anders als andere Gärtnereien ? Da ich es immer wieder erzählen muss, halte ich es heute mal hier fest:
Das Wetter in den Bergen
Wir befinden uns im südlichsten Teil des Schwarzwaldes (genauergesagt im ‚Hotzenwald‘ – und nein – es hat nichts mit dem bekannten Räuber aus den Tagen unserer Kindheit zu tun) auf knapp 900 Metern. Wir haben eine vergleichsweise sehr kurze Gärtnereisaison von April bis Oktober, worauf zumeist ein schneereicher kalter Winter folgt.
Die Pflanzen, die wir ab April versenden oder vor Ort verkaufen, alsbald der Schnee sie freigibt, erwachten zum allergrößten Teil im Frühling des zurückliegenden Jahres aus dem tiefen Schlummer ihres Samenkorns, wurden kurz darauf pikiert (vereinzelt) und standen danach noch für zwei bis drei Wochen in der geschützten Atmosphäre unseres ungeheizten Folientunnels um sich von diesem ersten Schock des „Umgesiedelt-werdens“ erholen zu können.
Und dann müssen sie raus ins Freie und lernen mit den Elementen klarzukommen. Sie erleben den langsamen, kalten Frühling des Hotzenwaldes mitsamt seinen späten Frösten und trotzen Hagel, Wind und Unwetter. Im allerersten Jahr meines Schaffens hier, sahen sie bereits Ende Mai den ersten Schnee ihres jungen grünen Lebens, unter welchem sie drei Tage auf das Weiterblühen des Frühlings harren mussten. Ab Juli lernen die Pflanzen dann, was Sommer und Trockenheit bedeutet und ich muss wohl niemandem erzählen, wie die Sonne in den Bergen herunterbrennen kann..
Letztendlich folgt ein rauher Herbst und ein langer kalter Winter. Und nur wenn sie Glück haben, dürfen sie für Wochen oder Monate unter einer isolierenden, schützenden Schneeschicht schlafen, aber auch hier oben gibt es leider von Jahr zu Jahr weniger davon.
Aus diesem Grund sind unsere Stauden ziemlich abgehärtete Typen und Charaktere. Sie haben klimatische Verhältnisse miterlebt, die Stauden aus anderen Gärtnereien noch nie erlebt haben, wenn sie nicht gar ihr ganzes Leben in einem wohltemperierten Glashaus verbracht haben und gar nicht wissen können, wie es sich anfühlt, draußen in der Natur zu sein.
Ökologischer Anbau
Wir machen bio und öko. Klaro! Schon immer! Aus Überzeugung! Unsere Stauden werden von Anfang an in Erden kultiviert wo sie sich ihre Nährstoffe selbst suchen müssen und sich mit dem Kosmos des Edaphons (der Begriff Edaphon bezeichnet die Gesamtheit des Bodenlebens, von Kleinstlebewesen bis hin zu Bakterien und Pilzen) im Erdreich verbinden müssen, genau wie im (chemiefreien) Garten auch. Ohne Wuchs- und Hemmstoffe, Hormone oder giftige Pestizide (oder Pflanzenschutzmittel, wie die chemische Industrie es heute aus Verkaufsgründen lieber nennt). Ohne Zwangsernährung durch mit hohem Energieaufwand hergestellten chemischen ‚Düngemitteln‘, welche auf lange Sicht das Bodenleben zum Erliegen bringen. Wir wollen mit der Natur und ihren natürlichen Prozessen arbeiten, und nicht gegen sie. Seit 1983 lassen wir uns diese Gesinnung auch zertifizieren und sind Mitglied im Bioland-Verband.
(Da ich immer wieder den Eindruck gewinne, dass viele Menschen denken, beim ökologischen/ biologischen Anbau gehe es ausschließlich oder hauptsächlich darum, keine chemischen und giftigen Stoffe zu verwenden, widme ich der Thematik einen eigenen Artikel hier[link]. Denn nein, das ist nicht der ausschlaggebende Punkt. Der Unterschied ist so viel tiefgreifender und tiefgründiger..)
Nachzucht ausschließlich durch Samen insofern möglich
Wo andere Gärtnereien es sich einfach machen, und ihre Pflanzen einfach teilen oder Stecklinge nehmen, ziehen wir in jedem neuen Jahr eine neue Generation Pflanzen aus – im besten Fall selbst gesammelten – Samen ins Leben. Das bedeutet, dass jede Pflanze ein absolutes Individuum darstellt, mit seiner eigenen Genetik und den daraus mit hervorgehenden Eigenschaften. Während Mensch beim Teilen einer Pflanze und der Vermehrung durch Stecklinge und Steckhölzer eine exakte Kopie der Pflanze erhält, mit denselben Genen und Eigenschaften, so werden bei der Nachzucht durch Samen, genau wie bei uns Menschen, die genetischen Eigenschaften neu durchwürfelt. Damit erhalten wir einen breiten Genpool und sorgen dafür, dass einjede Pflanze ein bisschen anders auf ihre Umwelt reagieren kann. Das ist wichtig für bestimmte Eigenschaften, wie beispielsweise Resistenzen gegenüber Trockenheit oder „Schädlingen“, die teilweise von der innewohnenden Genetik der Pflanzen mitbestimmt werden.
Aber ja, auch wir machen hier Stecklinge. Zum Beispiel von unseren Minzen. Die sollen ja im nächsten Jahr genau denselben Geschmack haben und nicht etwas neues entwickeln. Und von anderen Arten, die über Jahrhunderte lang in Gärten kultiviert wurden und nun die freie Natur besiedeln. Und manchmal keimt unser Saatgut auch einfach nicht. Wildpflanzen können da sehr unberechenbar sein..
Und letztendlich..
Hey! Wir machen Wildpflanzen! Einheimische. Eingeborene. Outdoor- und Survival-Experten. Arten und Sorten, die sonst überall in der Natur von alleine zurechtkommen. Sich selbst aussähen und großziehen und erblühen. Ohne einen Gärtner der sie setzt und pflegt und hegt. Und das seit den vielen Jahrhunderten, die sie in unseren Breiten heimisch sind.
Nur für ein kurzes Jahr nehmen wir sie hier in Kultur und begleiten sie. Dann dürfen sie wieder ihr wildes Leben leben – vielleicht ja auch in Ihrem Garten.